zeit.geschichte
(c) Rudolf Leo: Elisabeth Geisler (geb. Unterwurzacher, in 2. Ehe Scharfetter) wird am 24.11.1905 in Krimml geboren. Die 27jährige Liesl, wie sie in der Familie genannt wird, heiratet 1932 Friedl Geisler, den Wirt des Krimmler Tauernhauses. Die Hochzeit wird im Salzburger Dom gefeiert. Als ihr Mann, nach wenigen Jahren der Ehe, bei einem Arbeitsunfall tödlich verunglückt, muss sie das Tauernhaus alleine weiterführen. Eine Aufgabe, die sie mit Hingabe meistert. Im Jahr 1947 wird die Tauernhauswirtin weit über die Grenzen bekannt. In diesem Jahr flüchten rund 5.000 Juden, die den Nationalsozialistischen Vernichtungslagern entkommen sind. Ausgehend vom Lager Saalfelden, gehen sie über die rund 2.600 Meter hohen Krimmler Tauern zu Fuß nach Südtirol, um von dort nach Palästina zu gelangen. Das Krimmler Tauernhaus hat dabei eine zentrale Rolle. Die erschöpften Juden werden von Lisa Geisler im Tauernhaus mit dem Nötigsten, einer warmen Stube und einer warmen Mahlzeit, versorgt. Die Tauernwirtin dokumentiert handschriftlich die Ereignisse im Sommer 1947: „Dann kam 1947. Die Judenwanderung über den Tauern. Täglich oft 200 bis 300 kamen, haben halt wieder in der Waschküche gekocht und aufgewärmt. Es waren arme Menschen dabei, sie hatten nicht einmal einen Rucksack, da waren kleine Kinder, die hatten sie in einer Schachtel am Rücken, das Haus war oft voll. In der Nacht habe ich noch Mehlpapperl für die armen Kinder gekocht, in der Nacht kamen auch Gruppen.“ Tauernhaus Liesl (sie heißt nun in 2. Ehe Scharfetter) geht mit ihrem Engagement weit über die Grenzen des Erwartbaren. Zivilcourage und Menschlichkeit erhalten mit Liesl einen Namen. In Zeiten wie diesen durchaus nachahmenswert. Wahrscheinlich hatte auch sie das Lebensmotto meiner Mutter verinnerlicht: "Alles was man Gutes tut, kommt irgendwann zurück". Liesl stirbt am 10. November 1986 im Alter von 81 Jahren. Im Jahr 2009 erhielt sie posthum eine Ehrenurkunde der Jewish Agency for Israel. Foto aus dem Jahr 1943: Familie Geisler